Die folgenden Kurse sind die technische Grundlage eines jeden Bergretters und zählen zur Basisausbildung (ausgenommen Peers-Ausbildung). Jeder aktive Bergretter hat sie absolviert. Zu beachten ist, dass der Abschluss eines "grossen" Erste-Hilfe-Kurses (mindestens 16 Stunden) eine Voraussetzung ist, um überhaupt in das weitere Ausbildungsprogramm einzusteigen.
„Erste Hilfe“ ist den meisten Menschen ein Begriff. Schließlich muss jeder, der zum Beispiel eine Führerscheinprüfung ablegen will, einen entsprechenden Kurs absolvieren. Doch zwischen Erster Hilfe im Alltag und Erster Hilfe im Gebirge gibt es einen großen Unterschied. Verletzungen, die sich im flachen, gut zugänglichen Gelände als geringe Herausforderung präsentieren, können auf dem Berg problematisch werden. Kälte, Nässe und auch psychische Faktoren schwächen den oder die Verletzen. Bei allen Rettungseinsätzen ist der daher der Faktor Zeit immens wichtig.
Hilfeleistung unter schweren, teilweise extremen Bedingungen erfordert eine besondere Ausbildung. Solide Grundkenntnisse, viel Erfahrung und Improvisationstalent, sowohl im medizinischen als auch im alpinistischen Bereich, sind unerlässlich.
Medizinische Ausbildung in der Bergrettung
Die medizinische Ausbildung ist ein zentraler und besonders anspruchsvoller Bestandteil der Bergrettung. Bergretter werden gezielt auf jene Notfallsituationen vorbereitet, die im alpinen Gelände auftreten und sich wesentlich von klassischen Rettungsszenarien unterscheiden. Die Versorgung erfolgt häufig unter extremen Bedingungen – bei Kälte, Nässe, Wind, Dunkelheit und in schwierig zugänglichem Gelände – oft mit eingeschränkten Ressourcen und unter hohem Zeitdruck.
Im Rahmen der Ausbildung erwerben Bergretter fundierte Kenntnisse in der Alpinmedizin, darunter die Versorgung von Verletzungen nach Abstürzen, Lawinenunfällen oder Erschöpfungszuständen. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Behandlung von Unterkühlung, Erfrierungen und anderen kältebedingten Notfällen, aber auch auf komplexen Einsatzlagen wie Hängetrauma, Blitzunfällen oder internistischen Notfällen im Gebirge.
Ein wesentliches Merkmal dieser Ausbildung ist die enge Verbindung von medizinischem Wissen und taktischem Handeln. Entscheidungen müssen unmittelbar im Gelände getroffen werden – oft noch vor dem Eintreffen weiterer Rettungsmittel. Die Bergretter lernen daher, Patientinnen und Patienten nicht nur zu stabilisieren, sondern auch unter schwierigsten Bedingungen transportfähig zu machen und kontinuierlich zu überwachen.
Darüber hinaus beinhaltet die Ausbildung auch die psychologische Erste Hilfe. Bergretter sind häufig die ersten Ansprechpartner für Menschen in Ausnahmesituationen. Neben der medizinischen Versorgung kommt daher der Betreuung von Angst, Stress und Schock eine zentrale Rolle zu.
Das Besondere
Die medizinische Ausbildung in der Bergrettung unterscheidet sich wesentlich von anderen Rettungsdiensten: Sie findet nicht im geschützten Umfeld, sondern direkt im alpinen Einsatzraum statt. Sie verbindet medizinische Versorgung mit alpintechnischem Handeln. Sie verlangt ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Improvisation und Teamarbeit.
Und sie basiert auf einem österreichweit abgestimmten, modernen Ausbildungssystem, das laufend weiterentwickelt wird.
Ziel ist es, unter allen Bedingungen eines zu gewährleisten: die bestmögliche Versorgung von Menschen in alpinen Notlagen.
Darüber hinaus kann sich jedes aktive Mitglied der Bergrettung einer Spezialausbildung extern unterziehen, etwa zum Flugretter, zum Rettungssanitäter oder zum Notfallsanitäter.
Auch die psychologische Schulung unserer Bergretter ist fixer Bestandteil der Ausbildung.
Der positive Nutzen von psychischer Erster Hilfe im Notfall ist mittlerweile durch zahlreiche Untersuchungen wissenschaftlich belegt. Es geht nicht nur darum, den Verletzten zu verbinden und abzutransportieren. Die seelischen Wunden, hervorgerufen durch Ungewissheit, Hilflosigkeit und Angst wollen genauso versorgt werden.
Bergnot ist immer eine körperliche und psychische Ausnahmesituation, ein schwerer Einschnitt im Lebenslauf eines Menschen. Dem Bergretter kommt hier als Ersthelfer eine besonders wichtige Rolle zu: Neben der profunden medizinischen Ersten Hilfe kann er durch Zuwendung Ängste nehmen und Kraft und Hoffnung geben. Dadurch kann der Verlauf der Krisensituation wesentlich beeinflusst werden.
Ein Bergunfall mit schweren Verletzungen oder gar mit Todesfolge stellt für Angehörige eine extreme Belastung dar. Als Ersthelfer vor Ort sind Bergretter oft Ansprechpartner und können in dieser Phase durch Erklärung der weiteren Maßnahmen sowie durch psychologische Unterstützung wesentlich zur Stabilisierung und in weiterer Folge zur Verarbeitung des Ereignisses beitragen.
Die Bergung eines verletzen oder gar toten Menschen stellt jedoch auch für den Retter selbst eine große psychische Herausforderung dar. Als besonders belastend werden zum Beispiel Einsätze mit Kindern sowie Lawineneinsätze und Suchaktionen erlebt. Extreme körperliche Anforderungen (Anstrengung, Kälte) und die Unkalkulierbarkeit äußerer Bedingungen (Wetter, schwieriges, unwegsames Gelände) lassen die Rettungskräfte oft an ihre eigenen Grenzen gehen.
Um hier Unterstützung zu bieten, gibt es ein besonderes Angebot in der Bergrettung: das Peers System.
Peers (aus dem Engl., Bedeutung: Gleichrangige Vertraute) sind speziell ausgebildete Mitglieder, die nach besonders belastenden Einsätzen ihren Kameraden/-innen zur Seite stehen. Sie unterstützen in Form von entlastenden Gesprächen und helfen beim Aufbau von Bewältigungsstrategien. Dabei werden Techniken der Stressbewältigung vermittelt bis hin zum Angebot, besonders belastende Erfahrungen einzeln oder im Team aufzuarbeiten.
Ziel all dieser Maßnahmen ist es, den in Bergnot Geratenen, deren Angehörigen und den Rettern selbst die bestmögliche Versorgung nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sowohl der Medizin als auch der Psychologie zuteil werden zu lassen.
Peers im Bergrettungsdienst Kärnten
Ulley Rolles
Landesreferentin Peers

Winterkurs
Der 7tägige Winterkurs ist für die meisten BergretterInnen der Beginn der Grundausbildung auf Landesebene.
In diesem sehr praxisbezogenen Kurs werden die TeilnehmerInnen im sicheren Schitourengehen mit den Schwerpunkten Einschätzung der Lawinengefahr, sichere Spuranlage im Gelände und Orientierung im winterlichen Gebirge trainiert.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kameradenrettung. Bergrettungsspezifisch wird der planmäßige Lawineneinsatz und die Bergung aus steilem Gelände geübt. Unterrichte gibt es zu den Themen Schnee- und Lawinenkunde, Lawinenverschüttetensuche, Wetter, Orientierung, GPS und Tourenplanung analog, Biwakbau, Verhalten bei der Zusammenarbeit mit Hubschraubern, alpine Gefahren, Einsatztaktik bei Lawinenunfällen, Hundearbeit in der Bergrettung und natürlich zur Ersten Hilfe.
Felskurs 1
Bei diesem 6tägigen Basiskurs stehen die behelfsmäßigen Rettungstechniken mit einfachen Hilfsmitteln wie Reepschnüren und Bandschlingen im Fokus. Beim Begehen von alpinen Kletterrouten werden den TeilnehmerInnen die dem Gelände angepassten Sicherungsmethoden vermittelt. Der Seilschaftsablauf wird optimiert und der Standplatzbau mit mobilen Sicherungsmitteln sowie unterschiedliche Rückzugsmethoden werden vermittelt. Theoretische Inhalte werden in den Fachgebieten Seil- und Sicherungstechnik, Ausrüstungskunde, Schwierigkeitsbewertung, alpine Gefahren, Erste Hilfe und Risikomanagement vermittelt.
Felskurs 2
Der Felskurs 2 in der Dauer von 7 Tagen baut auf dem Wissen vom Felskurs 1 auf und beginnt daher mit einer Wissensüberprüfung. Bei diesem Kurs werden die behelfsmäßigen Rettungstechniken mit diversen Rollen, Seilklemmen und anderen Geräten optimiert. Planmäßige Rettungstechniken wie der Seilbahnbau, die V-Bergung und die Micro Bergung werden intensiv beübt. Theoretisch werden Inhalte zu Seil- und Sicherungstechnik, Ausrüstungskunde, Seilbahnbau, Alpingeschichte, Psychologie, Aufgaben der Exekutive im alpinen Gelände und Erste Hilfe unterrichtet.
Steileiskurs
In drei Tagen wird den TeilnehmerInnen das Basiswissen zum Sichern und Bewegen an gefrorenen Wasserfällen und im steilen Gletschereis vermittelt. Schwerpunkte sind das Bauen von Standplätzen, die angepasste Steigeisentechnik, Schlag- und Pickeltechniken.
Die Einmannbergetechnik wird vom Fels an das Eis angepasst und ebenso geübt wie diverse Rückzugstechniken. Theoretische Grundlagen werden zu den Fachgebieten Beurteilung der Eisqualität, Risikoeinschätzung von Eisfällen und Ausrüstungskunde vermittelt.
Im Zuge dieses Kurses wird auch die praktische medizinische Abschlussprüfung der Bergrettungsausbildung abgehalten.
Hochtourenkurs
Ziel des 7tägigen Abschlusskurses der Basisausbildung ist es, die BergretterInnen als möglichst selbstständige AlpinistInnen in komplexen Gletscher- und Felsgelände zu fördern. Tourenplanung, Orientierung, das Verhalten auf Gletschern und die Anpassung der Rettungstechniken auf das Gletschergelände sind die Schwerpunkte.
Aber auch die Fähigkeiten als SchialpinistInnen werden weiter ausgebaut. Gruppenarbeiten werden bei diesem Kurs dem Frontalunterrichten vorgezogen.
Eine theoretische und praktische Prüfung bildet den Abschluss der Ausbildung zum Bergretter bzw. zur Bergretterin.
Landesausbildungsleiter
Andreas Schwarz
Canyoning
Dieser noch recht jungen Sportart ist innerhalb des Österreichischen Bergrettungsdienstes ein eigenes Referat gewidmet, und das zu Recht. Immer mehr Menschen geben sich auch einer Untergruppe des Canyonings, dem Schluchting hin. (C-von oben nach unten, Sch-von unten nach oben).
Leider nehmen auch immer mehr Menschen ohne die entsprechende Ausbildung oder körperliche Belastbarkeit an solchen Expeditionen teil. Geschieht dann ein Unglück, stehen die Retter vor zwei Problemen: Extrem schwer zugängliche Unfallstellen und, bedingt durch das oft eiskalte Wasser, Erfrierungsgefahr sogar im Hochsommer. Mit der Canyoning-Spezialausbildung wird die Bergrettung der stetig steigenden Herausforderungen an ihre aktiven Mitglieder gerecht.
Seilbahnbergung
Es ist wohl der Albtraum jedes Schifahrers: Auf dem Weg zum Gipfel bleibt plötzlich und hunderte Meter über dem Talboden die Seilbahn stehen. Für die Retter beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn niemand weiß, wie lange die Gondel noch an Ort und Stelle bleiben wird.
Bergrettung und Seilbahnbetreiber verfügen über eigene Liftrettungssysteme, deren Einsatz in diesem Spezialkurs erprobt wird. Darüber hinaus lernen die Teilnehmer, Hubschrauber und andere Rettungsorganisationen in den Einsatz zu integrieren und zu koordinieren. Die jeweiligen Ortsstellen üben an Seilbahnen in ihrem Einsatzgebiet.
Paragleiten
Paragleiten ist eine auch in Kärnten sehr beliebte Freizeitbeschäftigung. Nicht nur an den bekannten "Hotspots" im oberen Drautal (Emberger Alm), der Gerlitze oder dem Radsberg kommt es immer wieder zu Notfällen. Paragleiter stürzen im unwegsamen Gelände ab oder bleiben auf Bäumen hängen und müssen zuerst lokalisiert und dann mühevoll aus ihrer misslichen Lage befreit und u. U. auch gleich notfallmedizinisch versorgt werden.
Die Hundeführer sind Spezialisten der Bergrettung, die mit ihren Lawinen- und Suchhunden vermisste Personen in schwierigem Gelände suchen, auffinden und versorgen.
Sie sind vollständig ausgebildete Bergretter.
Die Hunde werden für ihre spezielle Sucharbeit entsprechend den erforderlichen Merkmalen ausgesucht und ausgebildet. Neben der Suche von durch Lawinen verschütteten Personen werden die Hunde auch für die Vermisstensuche im alpinen Gelände ausgebildet und eingesetzt.
Die Ausbildung erfolgt in Landeskursen und in den fünf ortsstellenübergreifenden „Talschaften“.
Albin Oberluggauer
Landesreferent Lawinen- und Suchhunde
Die GPS-Ausbildung ist verpflichtend, Voraussetzung: bestandene Eignungsüberprüfungen ( Schi und Fels ).
Ziel des Kurses ist es, die Handhabung des Garmin-GPS-Gerätes in Theorie und Praxis zu erlernen.
In einer Kombination aus theoretischem Hintergrundwissen und praktischen Übungen im Gelände erlernen die Teilnehmer die Handhabung ihres Gerätes und können mit dem theoretischen Hintergrundwissen praxisbezogene Aufgabenstellungen (z. B. Umrechnen von Koordinaten, Handhabung von Ungenauigkeiten, etc.) lösen.
In diesem Kurs wird auch moPS in den Grundzügen erläutert und in der Geländeübung verwendet.
Gert Pader
Landesreferent Orientierung und GPS
Die Ausbildung zum Einsatzleiter zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben innerhalb der Bergrettung Kärnten. Erfahrene Bergretter werden darauf vorbereitet, in komplexen und herausfordernden Einsätzen die Koordination von Mannschaft und Material in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zu übernehmen.
Die Einsatzleitung erfordert höchste Konzentration und Führungskompetenz.
Unter großem Zeitdruck müssen die richtigen Schritte zur Lokalisierung, Versorgung und Bergung von Patientinnen und Patienten gesetzt werden. Besonders die Kombination aus hoher Einsatzkomplexität, zeitkritischen Abläufen und oft widrigen Witterungsbedingungen stellt eine große Herausforderung dar, wobei die Sicherheit immer im Vordergrund steht.
Mehrstufige Ausbildung
Die Ausbildung zum Einsatzleiter erfolgt in mehreren Stufen:
1. Lernen in der Ortsstelle
Der angehende Einsatzleiter sammelt im Zuge der Einsatzübungen praktische Erfahrung innerhalb seiner Ortsstelle. Bei laufenden Einsätzen lernt er direkt von den erfahrenen Einsatzleitern vor Ort und erhält Einblicke in grundlegende Konzepte, Entscheidungsprozesse und bewährte Vorgehensweisen.
2. Landesweite Ausbildungskurse
Zusätzlich zur Ausbildung in der Ortsstelle organisiert die Landesleitung zwei speziell entwickelte Kurse, um die Einsatzleiter gezielt auf die vielfältigen Herausforderungen vorzubereiten.
Im ersten Teil werden die Grundlagen der Einsatzführung für angehende Einsatzleiter vermittelt. Dazu zählen:
Der zweite Teil widmet sich komplexen und groß angelegten Einsätzen und richtet sich an Einsatzleiter mit Praxiserfahrung. Inhalte sind unter anderem:
Diese Ausbildung bereitet die Einsatzleiter darauf vor, auch unter schwierigsten Bedingungen effizient zu führen und so eine rasche Lokalisierung, Versorgung und Bergung betroffener Personen sicherzustellen.
Markus Harfmann
Landesreferent Alarmierung und Einsatz