
Trümmersuche
Bergrettungshunde üben für den Katastrophenfall
Mehr als 25 Jahre ist es her und vielen noch in Erinnerung: Das tragische Lawinenunglück von Galtür, das im Februar 1999 zahlreiche Gebäude des Wintersportortes wie Kartenhäuser zusammenbrechen ließ. Im gleichen Jahr zwei verheerende Erdbeben in der Türkei, wobei Tausende von Menschen ums Leben gekommen sind. Vor wenigen Jahren dann Murenabgänge in Wohngebieten in Kärnten. Da wie dort kamen speziell für die Trümmersuche ausgebildete Bergrettungshunde zum Einsatz.
Hundeführer der Bergrettung aus ganz Österreich reisen vier Mal im Jahr an, um im Tritolwerk bei Wiener Neustadt den Ernstfall zu proben. Das Tritolwerk ist eine ehemalige Munitionsfabrik und dient heute als militärisches Übungsgelände. Daneben ist es auch Überprüfungszentrum für Einsatzkräfte von Bundesheer, Cobra und Feuerwehr, sowie für Suchhundestaffeln aus dem gesamten EU - Raum.
Kein Stein bleibt auf dem anderen
Der Übungsbereich besteht aus einzelnen so genannten „Schadstellen“ - Konglomeraten aus Bauschutt, Betonplatten, Hohlräumen, Schächten und unterirdischen Kanälen, die eingestürzte Gebäude nachstellen. Auf jeder Schadstelle sind unterschiedliche Verhältnisse, ganz so wie nach einem Erdbeben oder nach einem Lawinenabgang in verbautem Gebiet. Kein Trümmerhaufen gleicht dem anderen - ein ideales Übungsgelände.
In mehreren Gruppen wird unter vollem Einsatz drei Tage lang intensiv geübt. Begonnen wird dabei zunächst auf leichteren Schadstellen, um den Hund an das Fortbewegen auf unsicherem Terrain zu gewöhnen. Die Herausforderung dabei ist, dass der Hund selbständig die Schadstelle absuchen muss. Der Hundeführer darf die Schadstelle nicht betreten.
Balanceakt im Trümmermeer – Langsamkeit ist Trumpf
Im Gegensatz zur Lawine, wo der Hund möglichst schnell sein soll, gilt hier: Extrem langsam bewegen! Zu groß ist die Gefahr, sich mit einem spitzen Gegenstand, wie Glasscherben, Betoneisen und dergleichen zu verletzen. Der Hund muss lernen, sein Gewicht auf den Betonplatten geschickt von einer Pfote auf die andere zu verlagern. Durch Begehen der leichteren Schadstellen können sich die Hunde langsam auf die ungewohnten Suchverhältnisse einstellen.
„Leichteres Gelände“ bedeutet hier, dass zum Beispiel zwischen den einzelnen Mauerbrocken die Abstände noch geringer sind, sodass sich der Hund von einer Platte zur anderen ohne Unterbrechung fortbewegen kann. Das Balancieren erfolgt zunächst auf breiteren Trägern und die Hohlräume, in die der Hund hinein tauchen soll, sind anfangs noch geräumiger.
Später wird es dann zusehends schwieriger: Der Hund muss nun über äußerst schmale Balken balancieren. Die Abstände zwischen den einzelnen Brocken werden weiter, die darunter liegende Schächte tiefer, und die Herausforderung zur Überwindung wird für den Hund immer größer.
Eine besondere Herausforderung stellen die engen, dunklen, unterirdischen Kanäle dar, in denen kaum eine Luftbewegung stattfindet. Alles Situationen, die im Normalfall vom Hund strikt gemieden werden.
Erst wenn ein Hund sich auf dem ungewohnten Gelände sicher bewegen kann, wird es ihm möglich sein, gleichzeitig auch Witterung aufzunehmen und eine vermisste Person zu orten. Daraufhin erfolgt das Anzeigen durch Verbellen. Anderenfalls wird er den gefährlichen Stellen ausweichen anstatt zu suchen.
Im Ernstfall gut gerüstet
In der Übungssituation wird eine “vermisste Person“ über Einstiegslucken und unterirdische Gänge unter die Trümmer gebracht, so daß oberflächlich keine Bodenverletzung und Geruchsspur entsteht. Der Hund kann daher keiner Fährte folgen, sondern muss einzig durch Schlitze und Maueröffnungen in den Trümmern den Geruch wahrnehmen und anzeigen.
Die wiederholten Übungen zeigen, dass alle Hunde sich steigern können, je öfter sie am Training teilnehmen. Sie gewöhnen sich an das Gelände und können sich deshalb immer schneller darauf einstellen, verlieren die Scheu vor Schächten, Spalten und Schieflage der Träger. Für die Hundeführer der Bergrettung ist es ein gutes Gefühl, auch für diese Art von Einsätzen bestens vorbereitet zu sein!
Text: Ulley Rolles, Lorenz Geiger