06.03.2026
Lawinenhundekurs in der Innerkrems
Vom 27. Februar bis zum 5. März 2026 konnten wir bei guten Bedingungen den Lawinenkurs beim Gasthof Raufner in der Innerkrems und im angrenzenden Schönfeld durchführen.
"Milo", ein junger Labrador Retriever gräbt im Schnee. Er folgt dem Geruch einer im Schnee vergrabenen Person, die er in einer Übung auf einem "Lawinenfeld" gesucht hat. Es ist sein erster Kurs als Lawinenhund der Kärntner Bergrettung. Über das Spiel mit den Menschen, die als Figuranten zu suchen sind, bekommt er eine unbändige Motivation, in die Schneehöhle zu gelangen, in dem sie versteckt sind. Dieses Verhalten wurde im Verlauf des A-Kurses schrittweise aufgebaut und gefestigt. Nun, am letzten Tag dieses Kurses, kann Milo unter der Führung seines Hundeführers Christof Oman eine unter dem Schnee vermisste Person verlässlich finden.
Der Lawinenkurs ist der Höhepunkt des Ausbildungsjahres. Die Junghunde lernen beim A-Kurs die Suche auf der Lawine und die Anzeige durch Graben am geschlossenen Loch. Die Führung des Hundes auf der Lawine, die ohne Worte geschieht, ist für die Junghundeführer ebenfalls eine Herausforderung. Der Aufstieg der Gruppe zu den Übungsfeldern mit Tourenski vertieft die Orientierung am Hundeführer, durch das Liegen neben den Lawinenfeldern wird das leinenfreie Ablegen gleichsam nebenbei erlernt.
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen B-Kurs gelten die Hunde als "Einsatzhunde" und kommen auf den Alarmplan der einsatzfähigen Lawinenhunde. Einsatztaktik, größere Verschüttungstiefe und Stresstoleranz müssen daher auf diesem Kurs erlernt werden. Wie im Einsatz ist es notwendig, dass mehrere Hunde gleichzeitige den Lawinenkegel absuchen. Meistens sind die Hunde durch das seit dem A-Kurs verstrichene Jahr und die Ausbildung in den Talschaften bereits gefestigter und klarer. Der Hundeführer lernt zudem seinem Hund zu vertrauen.
Am C-Kurs werden sehr aufwändige Einsatzszenarien durchgespielt. Die Suche mit LVS, die Oberflächensuche, die Hundesuche und komplexe Verschüttungsszenarien müssen vom Hundeteam gelöst werden.
Insgesamt nahmen 47 Hundeteams aus Kärnten, aus der Slowakei, Polen, Kroatien, Südtirol, Bayern und den angrenzenden Bundesländer Tirol und Salzburg am Lawinenkurs teil. Den internationalen Austausch erleben wir als Bereicherung, durch die Begegnung mit unterschiedlichen Ausbildungsphilosophien. Ein Schwerpunkt war die Zusammenarbeit mit der Polizei. Michael Bachlechner von der Alpinen Einsatzgruppe Kärnten und Polizeipilot Lukas Danninger stellten die alpine Polizeiarbeit vor. Stefan Richau von der Polizeidiensthundestaffel begleitete uns über mehrere Tage am Kurs und brachte seine Expertise in der Ausbildung ein. Höhepunkt des Kurses war die Einsatzübung für die B- und die C-Hunde, die am Mittwoch mit dem Polizeihubschrauber "Libelle Lima" zu ihren Übungsfeldern überstellt wurden. Auch wenn die Ausbildung am Hubschrauber zu den wesentlichen Elementen der Lawinenhundeausbildung zählt, so war es heuer erstmals möglich, die Lawinensuche und den Hubschraubereinsatz in einer einzigen Übung zu trainieren.
Medizinische Ausbildung beim Lawinenunfall durch Dr. Roland Rauter sowie die Ausbildung in Prophylaxe und Verletzungsprävention durch die bayrische Bergwacht-Hundeführerin und Tierärztin Univ.Dozent DDr. Eva Zeiler standen ebenfalls am Programm. Ein vor Jahren in einer Lawine verunfallter Pensionist, der ohne Hilfe des Lawinenhundes nicht überlebt hätte, verbrachte ebenfalls einen Tag mit den Hundeführerteams. Die emotionalen Schilderungen des Verunfallten bewegten uns alle sehr!
Bernhard Moritz vom Gasthof Raufner hatte in der Vorwoche die Übungsbereiche vorbereitet. Auch in Schönfeld wurden uns von der Almwirtschaft gute Übungsbedingungen geboten. Landeshundereferent Albin Oberluggauer und Leo Salcher ist es gelungen einen sehr intensiven und erfolgreichen Kurs in der Innerkrems zu organisieren. Der Erfolg in den Ausbildungsgruppen hängt aber auch immer von der Mitarbeit jedes einzelnen ab. Wie kein anderer Bereich in der Bergrettung ist die Ausbildung von Lawinenhunden nur als eine Gesamtgemeinschaft möglich, in der es auf den Einsatz jedes einzelnen ankommt.
gg