21.01.2026
Lorenz Geiger und Albin Oberluggauer im Gespräch
Lorenz Geiger, über 21 Jahre Lawinenhundereferent, und Albin Oberluggauer haben die Lawinenhundestaffel Kärnten geprägt. Im Frühjahr 2024 hat Albin die Aufgabe des Lawinenhundereferenten von Lorenz übernommen.
Lorenz Geiger, Ortsstelle Spittal/Stockenboi, Lawinenhundeführer seit 1990. Der Deutsche Schäferhund „Berro“ ist sein fünfter Lawinenhund. Im Jahr 2003 hat er die Leitung der Lawinenhundestaffel übernommen, nachdem er schon drei Jahre als Referent-Stellvertreter tätig gewesen war.
Albin Oberluggauer, Ortsstelle Lesachtal, Lawinenhundeführer seit 1998. Mit dem Golden Retriever „Yuki“ bildet er derzeit seinen vierten Lawinenhund aus.
Welche Herausforderungen waren in den vergangenen Jahren in der Lawinenhundearbeit besonders prägend?
Lorenz: Landesleiter Reinhold Dörflinger hatte mich im Jahr 2003 gebeten, die Leitung in einer herausfordernden Zeit des Umbruchs zu übernehmen. Als ich 2005 Albin Oberluggauer als Stellvertreter und Ausbildungsleiter gewinnen konnte, war es uns dann möglich, die Lawinenhundearbeit auf neue Beine zu stellen, als Einzelkämpfer wäre dies nicht möglich gewesen. Klarheit in unserem Anspruch, sowie trotz Widerspruchs dazu zu stehen, haben mit der Zeit viele Probleme gelöst.
Albin: Die große Veränderung fand statt, als wir gesagt haben, wir sind Bergretter, mit Spezialverwendung „Hundeführer“. Von jedem HF wird die volle bergretterische Ausbildung und Mitarbeit in den Ortsstellen gefordert. Gemeinsam mit der Steigerung des Anspruchs der Übungen und Ausbildungen hat dies zu einer höheren Motivation der Hundeführer geführt. Und heute finden sich unter den Hundeführern: Ortstellenleiter, Ausbildungs- und Einsatzleiter der Bergrettung Kärnten.
Für welchen persönlichen Sucherfolg bist du in deiner Zeit als Lawinenhundeführer dankbar, auch wenn es bedeutet haben mag, Verstorbene zu finden?
Lorenz: Mit jedem meiner Hunde ist mir ein Sucherfolg gelungen. Einprägsam waren aber die beiden Erdbebeneinsätze in der Türkei mit tausenden Toten. Auch der Katastropheneinsatz im Iran im Jahre 2003 hat mich sehr betroffen gemacht. Gerade hier jedoch waren die Ergebnisse der damals beginnenden Ausbildung unserer Hunde auf Leichengeruch deutlich sichtbar und zeigten den Wert dieser Ausbildung, weil Hunde bei Leichengeruch sonst ein Meideverhalten an den Tag legen.
Albin: Mich bewegt noch immer der Lebendfund von Kurt Kristlers „Akira“ im Jahre 2014 auf der Mauthner Alm, wo ich gemeinsam mit Kurt den Verschütteten nach eineinhalb Stunden ausgraben konnte. Bis heute sehr schmerzlich war dagegen für mich, als im Jahr davor mein Hund „Nuris“ zwei der drei Kamerad:innen unserer Lesachtaler Ortsstelle am Mittagskogel ausgrub, für die leider jede Hilfe zu spät kam.
Für welche Erfahrungen oder Entwicklungen seid ihr im Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre in der Lawinen- und Suchhundestaffel besonders dankbar?
Lorenz: Besonders dankbar bin ich für die gute Kameradschaft innerhalb der Staffel aber auch über die Landesgrenzen hinweg. Wir haben einen regelmäßigen Austausch nicht nur mit allen Bundesländerstaffeln Österreichs, sondern auch mit den Bergrettungshundestaffeln von Slowenien, Kroatien, Tschechien, Slowakei, Südtirol, Italien (z.B. Guardia di Finanza), Polen, Norwegen und Bayern.
Albin: Durch die Steigerung der Anforderung der Hundeführer als vollwertige Bergretter mit Spezialausbildung hat sich auch das Gefühl der Gemeinschaft vertieft. Ein wahrer Quantensprung bei der Ausbildung waren und sind aber die „CANIS“-Kurse mit Michael Grewe, die uns in kynologischer Hinsicht auf eine ganz neue Stufe gehoben haben. Jeder kennt das „häusliche Programm“ und jeder weiß, was mit Orientierung des Hundes im Alltag und in der Sucharbeit gemeint ist.
Wohin soll sich die alpine Lawinen- und Suchhundearbeit in den kommenden Jahren entwickeln?
Lorenz: Die große Anzahl an heute eingesetzten Hunderassen erfordert ein Spezialwissen und Gefühl für die unterschiedlichen Rassen bei der Ausbildung. Die ganze Familie hat an einem Hund Freude, sie muss aber auch mithelfen. Hier sind die Ausbilder gefordert, entsprechende Impulse zu geben.
Albin: Die Ausbildung wird sich immer weiterentwickeln, so wie seinerzeit die Umstellung von reinen Lawinenhunden auf Lawinen- und Suchhunden stattgefunden hat. Ich glaube, dass die gezielte Personensuche „Mantrailing“ mit der ganzen Palette an Geruchsdifferenzierung noch viel stärker bei der Vermisstensuche angewendet werden wird.
Wie kann man auch heute noch junge Bergretter und Bergretterinnen motivieren, einen Lawinenhund zu führen?
Lorenz: Wer nicht von selbst kommt, der wird nicht bleiben. Ein Hund ist kein Rucksack, den man nach der Bergtour wieder in den Kasten hängt. Wenn man nach dem Einsatz nach Hause kommt, wird zuerst der Hund versorgt und dann versorgt man sich selbst. Die Arbeit ist ein Full-time-Job, der auch abseits von Ausbildung und Einsatz zu erfüllen ist.
Albin: Wir brauchen nicht zu motivieren, denn wir haben unseren Weg gefunden. Wir sind eine Spezialtruppe mit hohem Anspruch und immer deutlicheren Erfolgen. Interessierte Bergretter werden sich unserer Staffel anschließen, da wir für die sinnvolle Herausforderung, die Suche von Vermissten im schwierigen Gelände, eine fundierte Ausbildung und tolle Kameradschaft bieten. Das ist unser Auftrag!